Aufbruch in die Elektromobilität: Veranstaltung des Innovationsnetzwerks zeigt Chancen für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg

29.07.2014

In seinem Grußwort betonte der der stellvertretende Landrat, Joachim Gwinner, die Bedeutung der Elektromobilität für die Region. Die Landesregierung forderte Gwinner zu mehr Koordination auf. "Mobilität ist eine Querschnittsaufgabe, die auch von den Ministerien einen gewissen Abstimmungsbedarf verlangt." Ein Appell zur Zusammenarbeit ging auch an die Akteure in der Region. Gwinner: „Man könnte sonst den Eindruck bekommen, die regionalen Aktivitäten zum Thema Elektromobilität würden miteinander konkurrieren.“ Vor wenigen Tagen hatte der Planungsausschuss des Regionalverbandes angekündigt, auch auf Elektro-Mobilität setzen und dabei das Förderprojekt des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur „Modellregion für nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum“ nutzen zu wollen. Erst im Februar hatte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, gleich den ganzen Südschwarzwald zur „Modellregion Elektromobilität Ländlicher Raum“ erklärt und die Initiative Zukunftsmobilität in Trossingen mit der Projektbetreuung beauftragt.

Christian Klaiber, Leiter der Zukunftsmobilität, hält Elektromobilität vor allem für einen „Katalysator, um über eine intelligentere Organisation der täglichen Fahrten nachzudenken“. Klaiber: "Häufig liegen gerade kleinere Unternehmen fernab von Bahntrassen oder einem nutzbaren ÖPNV-Angebot. Für immer mehr Unternehmen ist ein Standort im Ländlichen Raum ein handfester Nachteil bei der Akquise von Fachkräften, insbesondere auch von jungen Menschen, die noch im Qualifizierungsprozess stehen." Im Projekt „Mobilitätswende“ entwickle man daher gemeinsam mit den Unternehmern Konzepte, mit denen die Erreichbarkeit dieser Firmen verbessert werden soll, so Klaiber. Das Thema Elektromobilität biete die Chance, die Nutzung von Fahrzeugen zu verändern, anstatt lediglich Antriebssysteme auszutauschen. Zurzeit entstehen zudem entlang so genannter E-Mobilitätsrouten zahlreiche neue Ladestationen, die das Auftanken der Elektroflitzer möglich machen. Noch können bei dem vom Ministerium Ländlicher Raum angeschobenen Projekt interessierte Unternehmen mitmachen.

E-Autos bieten beste Aussichten für Tüftler und Konstrukteure

Um neue Geschäftsfelder in der Elektromobilität ging es beim Hauptvortrag des Abends, „Fit for Automotive“. Das Innovationsnetzwerk hatte Andrej Cacilo vom Fraunhofer IAO in Stuttgart in die Volksbank geholt. Die generelle Empfehlung des IAO- Experten: „Wer neue Marktchancen in der E-Mobilität sucht, sollte das Thema erst einmal ins eigene Unternehmen holen, denn die Märkte und Akteure im Automotive-Sektor der Zukunft sind überaus vielfältig.“ Mit der gemeinschaftlichen Nutzung von Fahrzeugen und Infrastrukturen beispielsweise könnten KMUs schon heute viel Geld sparen und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Um ihre Nische finden zu können, sollten die Unternehmer unterschätzte wie auch überschätzte Wertschöpfungspotenziale des Marktes kennen. Überschätzt werde beispielsweise die Zellproduktion in der Batterie. Cacilo: „Sehr gute Wertschöpfungspotenziale liegen etwa im Anlagenbau oder im so  genannten Second Life, also bei neuen Anwendungsfeldern für die ausgedienten Batterien der  E-Fahrzeuge. Gute Einstiegschancen für KMU sieht der Experte ebenfalls in den Bereichen Ladeinfrastruktur und Mobilitätsdienstleistungen. Cacilo: "Bereits heute ist der Markt im Bereich Sharing-Systeme von vielen KMUs geprägt. Weil der Trend, Sharing- und ÖPNV-Angebote barrierefrei miteinander zu kombinieren, weiter anhält wird auch die Nachfrage nach Fahrzeugen, die speziell für eine gemeinschaftliche Nutzung entwickelt werden, weiterhin stark wachsen.“ 

Mit den Anforderungen an einen klimafreundlichen Stadtverkehr wachse auch der Bedarf nach neuen, CO2 freien Fahrzeugen für den innerstädtischen Lieferverkehr so der IAO-Experte. Gute Zeiten für innovative Unternehmen, die teilelektrifizierte Transporter für den innerstädtischen Lieferverkehr bauen, welche sich auf die individuellen Anforderungen der Nutzer anpassen lassen.  Andrej Cacilo. "Hier tun sich ganz neue Nischen insbesondere für kleinere Anbieter auf, denn aufgrund der Stückzahlen sind diese Bereiche für die großen OEM wenig attraktiv.“ Ein großer Wachstumsmarkt ist auch die Ladeinfrastruktur. „Stand heute gibt es weltweit rund 200.000 Wallboxen, 2020 rechnen wir mit über 6 Millionen“. Der Grund: „Elektroautos werden nun mal in der heimischen Garage geladen", so Cacilo. „Und je mehr E-Autos fahren, umso mehr private Ladestationen werden gebraucht.“

Markt für Verbrenner-Fahrzeuge steigt weiter an

Für besorgte Zulieferunternehmen konnte Andrej Cacilo Entwarnung geben. „Mit einem Peak bei den Verbrennern rechnen wir erst 2030.“ Bis dahin werden die Zahlen weiter steigen, von heute rund 74 Mio. privat genutzter Fahrzeuge pro Jahr auf 112 Mio.“ Einen Megatrend prognostiziert der Fraunhofer Experte beim autonomen Fahren. "Die Fahrzeugautomatisierung ist nicht aufzuhalten. Wir beschäftigen uns derzeit in den meisten Forschungsprojekten mit diesem Thema.“ 

Auf diesen Megatrend aber müssen interessierte KMU nicht warten. Wer zeitig seine Nische im Elektromobilitätsmarkt finden will, kann jetzt qualifizierte Beratung in Anspruch nehmen. Ende Juni hatte das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen das Förderprogramm für KMU „Strukturwandel Elektromobilität“  freigegeben. Zertifizierte Elektromobilitätsberater beraten Unternehmen zu Chancen und neuen Geschäftsmodellen des Elektromobilitätsmarkts. Abgewickelt wird das Gutscheinprogramm von der L-Bank. Informationen gibt es unter www.die-elektromobilitaetsberater.de.

Die Aufbruchsstimmung des Abends lag schließlich in der Luft, als Peter Siegert von Mitsubishi Motors mit dem neuen Plug-in-Hybrid Outlander das weltweit erste Fahrzeug präsentierte, mit dem sich Strom vom Fahrzeug-Akku ins Netz zurückspeisen lässt. Die Stimmung des Publikums brachte der Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Lübke von Stadtmobil auf den Punkt. “Wer wissen will, wie der Markt der Elektromobilität funktioniert, sollte handeln, statt zu reden. Also ein E-Fahrzeug kaufen oder besser noch, sich am E-Carsharing beteiligen. Denn nur wer weiß, wie die Praxis funktioniert, wird diesen Zukunftsmarkt mit gestalten können“, so Lübke.

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